Wer braucht schon HR?

Hat der gute Personaler ausgedient?

Wie oft hört man in der Schweiz, dass HR-Bereich in der heutigen (digitalen) Zeit ausgedient hat. Ruft man mit dieser Einstellung in den GL-Korridor, so kommt oft folgendes Echo zurück: "KILL HR!!!". Eine Studie besagt, dass die CEO's in ihren HR-Fachleuten keinen strategischen Partner für ihr Unternehmen sehen und die Arbeit der Personalabteilung darum nicht akzeptieren.

Wenn wir nach dem Grund der Negativhaltung suchen, finden wir oftmals Aussagen von Unternehmensberatern, die HR am besten abgeschafft sehen würden. An der Stelle könnte man jeder Meinung die Freiheit bieten oder die Unternehmensberater daran erinnern, dass die meisten ihrer Gattung nie in einer Personalfunktion eines Unternehmens beschäftig waren. Also, wer nicht weiss, sollte auch nicht reden.

Leider erleben wir aber eine umgekehrte Situation. Die Nichtbetroffenen reden und die Betroffenen schweigen. Genau so vergessen nämlich die HR'ler ihre Daseinsberechtigung zu verteidigen. Und ihr Dasein ist enorm wichtig, den wer

  • hat sich denn allein schon im administrativen Bereich darum gekümmert, dass die Mitarbeiter juristisch einwandfreie Arbeitsverträge oder Zeugnisse bekommen
  • wickelt monatlich pünktlich die Gehaltsabrechnung ab, mit allen Vorschriften der Gesetzgebung, Tarifverträge und Sozialversicherung, damit die Mitarbeiter ihr wohlverdientes Gehalt bekommen und die Finanzbuchhaltung die entsprechenden Zahlen erhält
  • kümmert sich um Ausbildungspläne, Berufsschulen, Trainees und deren Einstellung, Ausbildung und spätere Einsatzmöglichkeiten im Unternehmen
  • erstellt Stellenbeschreibungen, Bezahlungsmodelle, Arbeitszeitregelungen u.v.m.
  • hält den Kopf hin bei Revisionen, Arbeitsgerichten, Aufsichtsämtern etc.
  • ist Vermittler zwischen Unternehmen, Mitarbeiter und Personalausschuss
  • klärt Themen wie Lohnfortzahlung, Pfändungen und regelt das mit den Ämtern und Behörden
  • liefert Statistiken, Auswertungen, Zahlen für Unternehmensleitung, Führungskräfte oder Controlling
  • setzt Tarifverträge oder neue gesetzliche Regelungen um
  • kümmert sich um Themen des Personalabbaus, Sozialpäne oder der Umstrukturierung
  • entwickelt Systeme zur Mitarbeiterbeurteilung, Personalentwicklung oder Vorruhestandsregelung

Alle diese Punkte mögen an "Alte-Schule-Denken" erinnern und manch einer fragt sich an der Stelle, wo bleiben denn: Social Media, Candidate Experience, Employer Branding etc. Das darf nicht ausser Acht gelassen werden, denn die Generation Y muss bedient werden. Aber sorry, nicht alle Berufsfelder sind so innovativ und rennen der Zeit nach. So muss ein Bäcker, Schreiner, Schuster und Schlosser auch mal die Mails checken, aber sicherlich nicht so "digital total" sein, wie in anderen Branchen das von Nöten ist.

Fakt ist, der Berufsalltag des HR änderte sich bereits und wird sich noch einem massiven Wandel hergeben müssen. So erleben wir schon jetzt eine grosse Veränderung in der Rekrutierung. Fakt ist aber auch – Zukunft ist gut, vergessen wir aber dabei nicht die Gegenwart (die übrigens in der Vergangenheit seine Wurzeln hat)? Und wen wir das tun, dann sollte uns klar – Veränderung ist nicht gleich vollkommene Abschaffung.

In diesem Sinne – ein Hoch auf die Personalarbeit!

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