Das Phänomen Fachkräftemangel

Vereinbarkeit ist eines der grossen Themen unserer Zeit. Wie bekommen wir es insgesamt besser hin, das Berufliche und das Private besser in Einklang zu bringen?

Viele Ehepaare sind beide voll berufstätig. Aber, nein nicht aber – UND wir haben zwei Kinder, die kein „Beigemüse“ sind, sondern elementarer Bestandteil des Familienlebens. Diese Paare haben sich ganz bewusst für ein „sowohl als auch“ und kein „entweder oder“ Weg entschieden. Das beides gehen kann, ist eine Frage des Wollens, Könnens und der Unternehmenseinstellung.

Ob wir nun einen Fachkräftemangel haben oder nicht, möchte ich hier nicht aufrollen. Fakt ist allerdings, dass sich in zunehmendem Sinne Unternehmen über eben jenen beschweren. Mindestens hört man Unternehmen sehr oft klagen, dass es „nicht mehr so leicht“ sei, geeignetes und „gescheites“ Personal zu finden.

Hier stellt sich natürlich direkt die Frage – und das tun ja auch viele, die beispielsweise von einem „Mythos“ Fachkräftemangel sprechen -, ob die Unternehmen denn auch ihre Möglichkeiten, dem „Problem“ der schwierigeren Mitarbeiterfindung zu begegnen, schon ausgeschöpft haben? Und genau hier sind aus meiner Sicht die Geschäftsleitungen gefordert bzw. fast schon verpflichtet mehr zu tun!

Aus dem persönlichen Umfeld kenne ich zahlreiche Geschichten, in denen topausgebildete Frauen von ihrer Odyssee berichten, nach der Kinderpause oder aus dem Wunsch heraus, einen adäquaten Job zu finden. Sobald es um flexible Arbeitszeiten oder ein Teilzeitangebot geht, heisst es sinngemäss dabei oft: „Wie stellen Sie sich das denn vor?“ oder auch „Das ist zu kompliziert, da haben wir kein Modell für …“

Hmm, tja…. Auf der einen Seite heisst es, die Mitarbeitergewinnung sei so viel schwerer geworden, auf der anderen Seite lehnt man Top-Kandidat(inn)en ab, letztlich mit dem Argument, dass man keine Zeit hat, dafür passende Modelle zu schaffen.

In der Zukunft werden die Anforderungen dieser Art für die Unternehmen eher steigen. Davon auszugehen, dass solche „exotischen“ Wünsche wie die nach flexibilisierten Arbeitszeitmodellen wieder verschwinden, ist naiv bis fahrlässig. Es sind ja nicht nur die Kinder, auch etwa ein gewisser Wertewandel, der Wunsch nach Weiterbildung und Auszeiten oder die häusliche Pflege von Familienangehörigen kann und wird zunehmend dazu führen, dass Unternehmen hierfür schlichtweg Modelle schaffen sollten.

Egal welche Form der Arbeitszeitmodelle am Ende herauskommt, diese werden immer erst einmal ein „mehr“ an Organisation für das Unternehmen bedeuten. Dafür bekommt das Unternehmen aber leistungsbereitere/-fähigere und glücklichere Mitarbeiter, 100% der Ideen zu Teilzeitkosten und man schlägt sogar der kalten Progression damit ein Strich durch die Rechnung.

Man drehe und wende es, wie man wolle: Das Leben bleibt für beide Seiten ein herausforderndes, täglich sich veränderndes Verschiebepuzzle mit enorm viel Organisation und vielen kleinen Unwägbarkeiten …

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